Grenzüberschreitender Austausch über Geflüchtetenhilfe

Wie kann trotz der Corona-Pandemie die Geflüchtetenhilfe erfolgreich fortgesetzt werden? Wie arbeitet man in diesem Themenkomplex zurzeit in Deutschland und wie in den Niederlanden? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des grenzüberschreitenden virtuellen Informations- und Wissensaustausches, zu dem die Europäische Akademie des Sports (eads) gemeinsam mit der EWIBO, der Stadt Bocholt sowie Vertretern der niederländischen Gemeinden Oudeijsselstreek, Aalten und Berkelland eingeladen hatte.

Im Austausch wurde die jeweilige Entwicklung der Geflüchtetenhilfe vorgestellt. Danach sind in Bocholt zurzeit 1478 kommunale Flüchtlinge untergebracht, während im benachbarten Achterhoek rund 11.000 Flüchtlinge betreut werden.

Bleibeperspektive für Flüchtlinge

Durch Corona sind viele der Maßnahmen und Prozeduren auf beiden Seiten verlangsamt worden; viele Flüchtlinge erleben auf Grund der derzeitigen Coronalage kein soziales Leben und sind vermehrt unter sich. In Bocholt wird im Bildungsbereich die Digitalisierung vorangebracht; so werden digitale Schulungsunterlagen im Ausbildungsbereich am Beispiel BONOVI eingesetzt, um die Bleibeperspektive für Flüchtlinge durch einen Wohnführerschein zu verbessern. In der Pandemie wird der Distanzunterricht zwar immer wichtiger, andererseits fehlen aber digitale Geräte. Ebenfalls wird die Sozialbetreuung mehr digital und mobil durchgeführt. Auf dem Arbeitsmarkt ist mittlerweile die Hälfte der Flüchtlinge in Bocholt angekommen und hat einen Job bekommen.

In den Niederlanden wird zurzeit ein neues Integrationsgesetz vorbereitet, wonach die Kommunen für die Integration der Flüchtlinge zuständig sein werden und entsprechend alle Angebote in den Bereichen Sprachvermittlung sowie Qualifizierung einkaufen müssen. Pilotmodelle wie das Frauen-Empowerment, Qualifizierung zum Spracharbeitscoach, der Einsatz von Schlüsselpersonen (ehrenamtliche Flüchtlinge im Einsatz in der Flüchtlingsarbeit) und das Kringloop-Projekt (Gebrauchtwarenläden) sind wichtige Bestandteile der zukünftigen Umsetzung der Integration von Flüchtlingen in den Niederlanden.

Für den Bereich Sport und Freizeit hat die Europäische Akademie eine Förderung von der Bundesinitiative „Aktion Mensch“ erhalten, um die jugendlichen Flüchtlinge durch ein regelmäßiges Sportangebot in den Vereinssport zu integrieren. Dies findet derzeit durch die Pandemie nur stark eingeschränkt mit Unterstützung der EWIBO und dem 1. FC Bocholt statt; geplante grenzüberschreitende Sporttreffen können ebenfalls nicht wie gewünscht erfolgen.

Ein nächstes Treffen soll im September stattfinden mit dem Ziel, ein gemeinsames förderfähiges People-to-People-Projekt der Euregio zum Thema Partizipation der Geflüchtetenhilfe im grenznahen Bereich zu entwickeln.