Integration durch Sport: Neue Initiative mit Unterstützung von Aktion Mensch

Gemeinsames Training – Spaß und Austausch – Integration fördern: Das sind die Grundprinzipien der Integrationsinitiative der Europäischen Akademie des Sports (eads), Bocholt, in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartner EWIBO und dem 1. FC Bocholt zur Einbindung junger Menschen ins hiesige Alltagsleben. Die Aktion Mensch unterstützt auf eads-Initiative dieses Projekt. Neue Trikots wurden nun von den Geflüchteten trotz langer coronabedingter Spiel- und Trainingspause mit leuchtenden Augen entgegengenommen.

Neue Trikots für die Mannschaft der Fußballakademie Bocholt: eads-Akademieleiter Reinhardt te Uhle (links) und Trainer Emad Armanious (rechts) mit Spielern. Foto: Andresen

Neue Trikots – „alle freuen sich, bald wieder spielen zu dürfen“

„Alle freuen sich, dass es hoffentlich bald wieder richtig los geht und wir trainieren und spielen dürfen“, sagt Trainer Emad Armanious (31), der die Jungs von Anfang an betreut und für die eads arbeitet. Vor der Coronazeit trainierten meist zwischen 15 und 25 Jugendliche am Hünting, zuletzt trafen sich Kleingruppen mit zwei bis drei Personen am Aasee, um dort workouts zu betreiben, zu joggen und sich einfach zu bewegen.

Zugleich kümmert sich der Trainer mit Geburtsland Ägypten um die Jungs aus Bocholt und Rhede auch um ihren Alltag – mit Erfolg. Jüngst konnte einer eine Ausbildung bei einem Augenoptiker antreten, ein anderer bei einer Versicherungsagentur in Isselburg.

Alltagssprachliche Kompetenzen kennenlernen

Diese Wünsche und Ziele verfolgt die Europäische Sportakademie mit dieser Initiative. eads-Leiter Reinhardt te Uhle: „Wir wollen jungen Flüchtlingen die Möglichkeit geben, durch ein wöchentliches Sportangebot und alltagssprachliche Kompetenzen besser in die Gesellschaft integriert zu werden.“

Ziel ist es laut eads auch, das deutsche Vereinsleben kennenzulernen sowie die jungen Menschen an Vereine in der Region heranzuführen, um so die Integration in die Sportvereine und damit in die Gesellschaft zu erleichtern. Te Uhle: „Wir freuen uns sehr, dass die eads mit dieser großartigen Förderung durch die Aktion Mensch einen Beitrag zur Integration und zur sozialen Bindung von Flüchtlingen durch Sport beisteuern kann.“

Und es wurde noch mehr geschafft: Über die Bocholter Maßnahme bildete sich bei der SG Borken eine kurdische Mannschaft, die nun, wenn es die Pandemie wieder zulässt, Freundschaftsspiele austrägt und auch an Integrationsturnieren teilnehmen wird.

Trikots für die Mannschaft der Fußballakademie Bocholt in der Kabine des eads-Kooperationspartners 1. FC Bocholt (von links): eads-Akademieleiter Reinhardt te Uhle, Ghagharien Shikho, Djwar Omar, Mahmoud, Tarik Haliel und Trainer Emad Armanious. Foto: Andresen

Grenzüberschreitender Austausch über Geflüchtetenhilfe

Wie kann trotz der Corona-Pandemie die Geflüchtetenhilfe erfolgreich fortgesetzt werden? Wie arbeitet man in diesem Themenkomplex zurzeit in Deutschland und wie in den Niederlanden? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des grenzüberschreitenden virtuellen Informations- und Wissensaustausches, zu dem die Europäische Akademie des Sports (eads) gemeinsam mit der EWIBO, der Stadt Bocholt sowie Vertretern der niederländischen Gemeinden Oudeijsselstreek, Aalten und Berkelland eingeladen hatte.

Im Austausch wurde die jeweilige Entwicklung der Geflüchtetenhilfe vorgestellt. Danach sind in Bocholt zurzeit 1478 kommunale Flüchtlinge untergebracht, während im benachbarten Achterhoek rund 11.000 Flüchtlinge betreut werden.

Bleibeperspektive für Flüchtlinge

Durch Corona sind viele der Maßnahmen und Prozeduren auf beiden Seiten verlangsamt worden; viele Flüchtlinge erleben auf Grund der derzeitigen Coronalage kein soziales Leben und sind vermehrt unter sich. In Bocholt wird im Bildungsbereich die Digitalisierung vorangebracht; so werden digitale Schulungsunterlagen im Ausbildungsbereich am Beispiel BONOVI eingesetzt, um die Bleibeperspektive für Flüchtlinge durch einen Wohnführerschein zu verbessern. In der Pandemie wird der Distanzunterricht zwar immer wichtiger, andererseits fehlen aber digitale Geräte. Ebenfalls wird die Sozialbetreuung mehr digital und mobil durchgeführt. Auf dem Arbeitsmarkt ist mittlerweile die Hälfte der Flüchtlinge in Bocholt angekommen und hat einen Job bekommen.

In den Niederlanden wird zurzeit ein neues Integrationsgesetz vorbereitet, wonach die Kommunen für die Integration der Flüchtlinge zuständig sein werden und entsprechend alle Angebote in den Bereichen Sprachvermittlung sowie Qualifizierung einkaufen müssen. Pilotmodelle wie das Frauen-Empowerment, Qualifizierung zum Spracharbeitscoach, der Einsatz von Schlüsselpersonen (ehrenamtliche Flüchtlinge im Einsatz in der Flüchtlingsarbeit) und das Kringloop-Projekt (Gebrauchtwarenläden) sind wichtige Bestandteile der zukünftigen Umsetzung der Integration von Flüchtlingen in den Niederlanden.

Für den Bereich Sport und Freizeit hat die Europäische Akademie eine Förderung von der Bundesinitiative „Aktion Mensch“ erhalten, um die jugendlichen Flüchtlinge durch ein regelmäßiges Sportangebot in den Vereinssport zu integrieren. Dies findet derzeit durch die Pandemie nur stark eingeschränkt mit Unterstützung der EWIBO und dem 1. FC Bocholt statt; geplante grenzüberschreitende Sporttreffen können ebenfalls nicht wie gewünscht erfolgen.

Ein nächstes Treffen soll im September stattfinden mit dem Ziel, ein gemeinsames förderfähiges People-to-People-Projekt der Euregio zum Thema Partizipation der Geflüchtetenhilfe im grenznahen Bereich zu entwickeln.

Europawoche 2021: Berufskolleg Bocholt-West testet Bewegungsangebote für digitale App

Unter dem Leitmotiv „EUnited – gemeinsame Vision für die Zukunft!“ konnte das grenzüberschreitende Projekt „Sportdigital – grenzüberschreitend“ durch die Europäische Akademie des Sports unter Leitung von Reinhardt te Uhle mit Schülerinnen und Schülern des Bildungsgangs der Freizeitsportleiterinnen und Freizeitsportleiter des Berufskolleg Bocholt-West im Rahmen der Europawoche 2021 umgesetzt werden.

Tests in Bocholt-Mussum: Schüler und Schülerinnen des Berufskollegs Bocholt-West, alles angehende Freizeitsportleiter, erprobten Bewegungsangebote – zum Beispiel Sackhüpfen und Training mit Hula-Hoop-Reifen.

 

Digitales Bewegungsprojekt in der Europawoche 2021: „EUnited – gemeinsame Vision für die Zukunft!“

Gefördert wurde diese Initiative durch das Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Leider konnten die Schüler des Graafschap College Doetinchem, mit denen bereits die vergangenen Jahre erfolgreich zusammengearbeitet worden war, auf Grund der Corona-Pandemie diesmal nicht vor Ort in Bocholt an den Vorbereitungen der digitalen App direkt mitwirken.

Im Bewegungsrucksack stecken so manchen Überraschungen.

Auf einer rund vier Kilometer langen, wunderschön rund um die Mosse im Bocholter Ortsteil Mussum gelegenen Strecke haben die Schüler und Schülerinnen des Berufskollegs dem schlechten Wetter getrotzt und mit großer Motivation und guter Laune an vielen verschiedenen Stationen auf der Strecke Bewegungsangebote entwickelt, ausprobiert und per Video festgehalten. Hierbei wurden Bewegungsangebote für Einzelpersonen, Familien und Sportteams (Schulklassen/Sportvereine) vorbereitet.

Um ein möglichst breites Angebot an Bewegungsspielen zu gewährleisten, wurden drei Rucksäcke mit unterschiedlichsten Spielgeräten ausgerüstet, um auf der Strecke die abwechslungsreichen und kreativen Bewegungsangebote an den entsprechenden Stationen für die jeweilige Zielgruppe vorzubereiten. So sind in den Rucksäcken Koordinationsleitern, Springseile, Jute-Säcke, zusammenbaubare Hula-Hoop-Reifen, Stoppuhren, Teppichfliesen und mehr zu finden.

Angehende Freizeitsportleiter befahren einen Parcours

Die Schulgruppe, die als angehende Freizeitsportleiter am Berufskolleg Bocholt-West ausgebildet wird, hatte unter Leitung von Lehrer Christoph Hahn die Bewegungsangebote an den Stationen bereits im Vorfeld im Unterricht entwickelt und in dieser Europawoche den Parcours abgefahren, die Stationen erprobt und ihre Ergebnisse auf Bildern und Videos festgehalten. Sie werden zeitnah digital, mit der Unterstützung von Lina Symkowiak vom Verein Jugend und Sozialarbeit e. V. (Jusa), in die https://www.biparcours.dedes Landes NRW eingepflegt.

Den Kontakt zu Lina Symkowiak, die bereits Erfahrungen mit der Gestaltung von digitalen Bewegungsangeboten in der App Biparcours sammeln konnte, wurde über das „Zukunfts- und Strategiebüro“ der Stadt Bocholt hergestellt. Die „Zukunftsstadt Bocholt“ hat bei den Projekten „Bocholter Action Challenge“ und „Spurensuche“ bereits gute Erfahrungen mit der App sammeln können. Finden kann man die Bewegungsangebote unter einem Link auf der Seite der Zukunftsstadt Bocholt, die zeitnah bekanntgegeben werden.

Start bei TuB Bocholt, Lowicker Straße

Die Rucksäcke mit den Spiel- und Bewegungsgeräten können dann, sobald die Parcours eingepflegt sind, beim Sportverein TuB Bocholt, Lowicker Straße, abgeholt werden. Dort ist auch der Start.

Die Initiative der Europäischen Akademie des Sports und des Landes NRW leistet damit einen wichtigen Beitrag, junge Menschen auch auf die digitalen Möglichkeiten des Sports hinzuweisen sowie Innovation und Digitalisierung im Sport zu stärken.

Bewegung beim Sackhüpfen – macht Spaß und kostet ungeahnt viel Kraft… Fotos (3): eads/Horst Andresen